Nicht ohne Grund löst der Begriff „Speed Skating“ bei Fans große Emotionen aus. Es ist ein Sport, in dem Bruchteile von Sekunden über Sieg oder „fast geschafft“ entscheiden. Jedes Training bedeutet einen Kampf gegen Schwerkraft, Luftwiderstand und die eigenen körperlichen Grenzen. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Hintergründe des Eisschnelllaufs – seine Geschichte, Regeln, Ausrüstung und Wettkämpfe.
Geschichte und Entwicklung des Speed Skating
Der Eisschnelllauf hat seine Wurzeln im 17. Jahrhundert in den Niederlanden. Zugefrorene Grachten dienten als natürliche Rennstrecken, und die Menschen nutzten das Eis, um schnell von Ort zu Ort zu gelangen – oder sich spontan Rennen zu liefern.
Die ersten dokumentierten Wettkämpfe fanden 1763 in England statt. Bereits 1805 traten im niederländischen Heerenveen auch Frauen gegeneinander an. Ein echter Meilenstein folgte im 19. Jahrhundert: 1863 wurden in Norwegen die ersten modernen Bahnrennen organisiert, und 1889 fanden in Amsterdam inoffizielle Weltmeisterschaften statt.
1892 wurde die Internationale Eislauf-Union (ISU) gegründet, die einheitliche Regeln einführte.
Seit 1924 gehört Eislauf fest zum Programm der Olympischen Winterspiele in Chamonix.
Auch die Ausrüstung entwickelte sich stark weiter – von schweren Holzschlittschuhen bis zu modernen Hochleistungskufen aus Spezialstahl. Heute nutzen Athlet:innen sogenannte Clap-Skates, die einen besonders effizienten Abdruck und längere Gleitphasen ermöglichen. Diese technische Entwicklung hebt das Leistungsniveau stetig an und führt zu immer schnelleren Rekorden.
Arten und Regeln des Eisschnelllaufs
Der Eisschnelllauf teilt sich hauptsächlich in zwei Varianten: Langbahn (Long Track) und Short track.
Auf der Langbahn laufen die Sportler einzeln oder paarweise auf einer 400-Meter-Ovalbahn, und ausschließlich die Zeit entscheidet über das Ergebnis. Short track hingegen wird auf einer deutlich kleineren Bahn (111,12 m) ausgetragen, in Gruppen von 4–6 Personen, mit direkten Zweikämpfen, Überholmanövern und Körperkontakt – ein völlig anderer, deutlich spektakulärerer Stil.
Mehr über Short track findest du in unserem separaten Artikel: „Short track – der Sport, in dem Millisekunden entscheiden“.
Grundregeln der Langbahn:
- Die Bahn misst exakt 400 m und besteht aus Innen- und Außenbahn
- Zwei Läufer starten gleichzeitig
- Jede Runde wird die Bahn gewechselt (Ausgleich der Distanz)
- Fehlstart – beim zweiten Mal Disqualifikation
- Behinderung oder Blockieren ist verboten
- Gewertet wird ausschließlich die Zeit (Ausnahmen: Massenstart und Team Pursuit)
Die beliebtesten Einzeldistanzen sind 500 m, 1000 m, 1500 m, 5000 m und 10 000 m.
Schlittschuhe und Ausrüstung – der Schlüssel zum Erfolg
Erfolg im Eisschnelllauf hängt nicht nur von Kondition und Technik ab, sondern auch maßgeblich von der richtigen Ausrüstung. Rennschlittschuhe – sogenannte Speedskates – unterscheiden sich deutlich von Freizeitmodellen: Sie sind länger, leichter und ermöglichen maximale Kraftübertragung.
Die Kufen sind etwa 40–45 cm lang und mit dem Clap-Mechanismus ausgestattet. Dabei löst sich die Kufe beim Abdruck vom Schuh, wodurch die Gleitphase verlängert und die Geschwindigkeit erhöht wird. Schlittschuhe werden individuell angepasst – je nach Kufenlänge, Schuhsteifigkeit und Körpergewicht.
Der Rennanzug ist eng anliegend und aerodynamisch, meist aus Latex- oder Polyestergewebe, um den Luftwiderstand zu minimieren. Ergänzt wird er durch Kapuze, Schutzbrille sowie Verstärkungen an Hüfte und Knien.
Wettkämpfe im Eisschnelllauf
Die größten Emotionen entstehen bei internationalen Top-Events. Jede Saison kämpfen die Athlet:innen um Sportmedaillen beim ISU-Weltcup, bei Sprint- und Mehrkampf-Weltmeisterschaften sowie bei Einzelstrecken-Weltmeisterschaften. Dort fallen die prestigeträchtigsten Rekorde und neue Legenden werden geboren.
Der Höhepunkt jeder Karriere sind jedoch die Olympischen Winterspiele. Seit 1924 ist Eisschnelllauf fester Bestandteil des olympischen Programms.
Bei den Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo stehen insgesamt 14 Entscheidungen an:
- 500 m, 1000 m, 1500 m, 3000 m und 5000 m für Frauen
- 500 m, 1000 m, 1500 m, 5000 m und 10 000 m für Männer
- Massenstart sowie Team Pursuit für beide Geschlechter
Aktuelle Weltrekorde im Eisschnelllauf
Profis verbringen viele Stunden auf dem Eis – aber auch im Kraftraum, beim Lauftraining oder auf Trockentrainingsbahnen. Das Ergebnis: ständig neue Höchstleistungen.
Aktuelle Rekorde der Männer:
- 500 m – Pavel Kulizhnikov (RUS) 33,61 s (2019)
- 1000 m – Jordan Stolz (USA) 1:05,37 (2024)
- 5000 m – Sander Eitrem (NOR) 5:58,52 (2026, Inzell – erstmals unter 6 Minuten!)
- 10 000 m – Nils van der Poel (SWE) 12:30,74 (2022)
Rekorde der Frauen:
- 500 m – Femke Kok (NED) 36,09 s (2025)
- 1000 m – Brittany Bowe (USA) 1:11,61 (2019)
- 3000 m – Martina Sáblíková (CZE) 3:52,02 (2019)
- 5000 m – Natalia Voronina (RUS) 6:39,02 (2020)
Diese Ergebnisse zeigen, wie rasant sich der Sport weiterentwickelt – moderne Technologien und Trainingsmethoden verschieben kontinuierlich die Grenzen des Möglichen.
Fazit – Leidenschaft, Tempo, Erfolg
Eisschnelllauf ist eine Disziplin für Mutige – für Menschen, die Adrenalin und Geschwindigkeit lieben. Er fordert Körper und Geist gleichermaßen und verlangt enorme Disziplin, Ausdauer und Leidenschaft.
Athlet:innen perfektionieren ihre Gleittechnik, trainieren Balance und entwickeln taktisches Denken – besonders in dynamischen Rennen wie Short track.
Von den zugefrorenen Kanälen der Niederlande bis zu modernen olympischen Arenen: Diese Sportart begeistert seit Jahrhunderten. Sie zeigt, dass Entschlossenheit, Konsequenz und Mut zum Erfolg führen – egal, ob man gerade die ersten Schritte auf dem Eis macht oder auf Weltniveau startet.






